Wie entdecke ich meine Gaben?

Reihe: Ich bin begabt! (2/4)

 

Schriftlesung: Römer-Brief 12, 1-8

 

 

 

Gliederung

I.   Die Ausstattung für die Entdeckungsreise

II.    Die Voraussetzung auf der Entdeckungsreise

III.  Die Haltung bei der Entdeckungsreise

 


Einleitende Gedanken

Ich bin begabt! Es gibt einfach keine unbegabten Menschen. Jedem von uns hat Gott viele Begabungen in die Wiege gelegt. Weil Gott uns nach seinem Bild geschaffen hat,  haben wir die Fähigkeit bekommen, kreativ und schöpferisch tätig zu sein. Es gibt kein Lebenwesen – ausser dem Menschen – das zu solchen Leistungen fähig ist, denn nur der Mensch ist nach Gottes Ebenbild geschaffen worden.

Dort wo sich Menschen der Verantwortung gegenüber Gott ihrem Schöpfer entziehen – was seit Adam und Eva der Normalfall ist – dienen diese grossartigen Gaben oft mehr zur Zerstörung. Denken wir nur an die Kreativität bei Folterungen oder bei der Entwicklung von Waffen. Wir sehen das auch bei der Ausbeutung von Menschen usw.

Wenn ein Mensch zu Jesus gehört, kann er seine Gaben wieder mehr so einsetzen, wie sich das Gott ursprünglich gedacht hat. Zu den Gaben, die wir in die Wiege gelegt bekamen, bekommen wir bei unserer zweiten Geburt zusätzliche Gaben. Paulus schreibt:

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„Jedem Einzelnen von uns hat Christus einen Anteil an den Gaben gegeben, die er in seiner Gnade schenkt; jedem hat er seine Gnade in einem bestimmten Mass zugeteilt.“ (Epheser 4, 7)

Nun, werde ich erklären, wie wir diese Gaben, die Jesus uns gegeben hat, entdecken können. Oder anders gesagt, was wir auf dieser Entdeckungsreise beachten müssen.

Bibelstellen zum Nachschlagen: 1. Mose 1, 27; Römer 1, 18-23; 1. Korinther 4, 7; Epheser 4, 7

I.          

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Die Ausstattung für die Entdeckungsreise

Bevor wir uns überhaupt auf diese Entdeckungsreise machen, müssen wir die nötige Ausstattung haben.

Für die meistens von uns ist das selbstverständlich und trotzdem will ich darauf hinweisen, denn wenn wir uns das Selbstverständliche nicht mehr bewusst machen, gehen uns unbemerkt die selbstverständlichen Überzeugungen verloren.

Also, geistliche Gaben kann ich nur entdecken, wenn der Heilige Geist in mir lebt. Ohne den Heiligen Geist, keine geistlichen Gaben!

Den Heiligen Geist bekommst du, wenn du dein Leben Jesus anvertraust und ihm nachfolgst. Petrus erklärt, wie du das ganz praktisch machen kannst, falls Du das bis jetzt noch nicht getan hast:

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„Kehrt um und jeder von euch lasse sich auf den Namen von Jesus Christus taufen! Dann wird Gott euch eure Sünden vergeben, und ihr werdet seine Gabe, den Heiligen Geist, bekommen.“ (Apostelgeschichte 2, 38)

Diese Umkehr geschieht in einem ehrlichen und aufrichtigen Gebet. Wenn Du diesen Schritt noch nicht getan hast, bist du für die Entdeckungsreise nicht ausgerüstet.

Damit sage ich nicht, dass ein Mensch, der den Heiligen Geist nicht hat, keine Gaben und Fähigkeiten haben kann, die von besonderen Kräften zeugen.

Es gibt Menschen, die Kranke heilen können, die Ereignisse vorhersehen, die Wunder tun usw. Haben sie deswegen den Heiligen Geist? Sind sie deshalb Christen?

Nein, nicht unbedingt, denn nicht die Gaben und Fähigkeiten, die ich haben, zeichnen mich als wahren Christen aus. Das ist die Gefahr, dass wir von der Gabe auf den Glauben eines Menschen schliessen. Möchten ich wissen, ob der Heilige Geist oder andere Geister am Wirken sind, schauen ich nicht auf die Gabe, sondern auf den Begabten.

Es ist doch interessant, dass Paulus, bevor er auf einzelne Gaben eingeht, zuerst einmal deutlich macht, wie wir erkennen, ob jemand vom Geist Gottes geführt ist. Er schreibt:

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„Denkt an die Zeit, als ihr noch nicht an Christus geglaubt habt: Damals habt ihr euch ständig irreführen und dazu hinreissen lassen, den Götzen zu dienen – Götzenbildern, die nicht einmal reden können.“ (1. Korinther 12, 2)

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„Deshalb weise ich euch auf Folgendes hin: Niemand, der unter der Leitung von Gottes Geist redet, wird jemals sagen: »Jesus sei verflucht!« Und umgekehrt kann niemand sagen: »Jesus ist der Herr!«, es sei denn, er wird vom Heiligen Geist geleitet.“ (1. Korinther 12, 3)

Damit macht Paulus deutlich, dass wir nicht aufgrund einer Gabe, eines Dienstes oder einer Kraft feststellen können, ob dieser Mensch vom Heiligen Geist befähigt ist. Nein – so geht das nicht, sondern wir erkennen am Bekenntnis einer Person, ob der Heilige Geist in diesem Leben am Wirken ist. Ich finde es wunderbar, wenn jemand Menschen gesund machen kann. Doch bevor ich mich einem solchen Menschen anvertrauen würde, selbst wenn ich krank bin, wollte ich zuerst wissen, wie er zu Jesus steht, denn so weiss ich mit welchen Kräften er arbeitet.

Eines muss Dir klar sein: Wenn Du Jesus nicht nachfolgst, wenn Du noch nicht wiedergeboren bist, dann wirst Du keine geistlichen Gaben finden und Deine natürlichen Gaben werden keine geistliche Dimension bekommen. Du bist für die Entdeckungsreise nicht ausgerüstet. Dir fehlt die Hauptsache für diese Reise. Und nebenbei Gesagt, ihm fehlt auch die Hauptsache fürs Leben!

Bibelstellen zum Nachschlagen: Matthäus 24, 24; Johannes 3, 8; 4, 10; Apostelgeschichte 2, 38; Römer 6, 23; 1. Korinther 1, 6-7; 12, 1-3; Epheser 2, 9; 2. Thessalonicher 2, 9-10

II.        

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Die Voraussetzung auf der Entdeckungsreise

Die Vorraussetzung, die wichtig ist, wenn ich auf dieser Entdeckungsreise bin, ist mein Leben als Christ.

Es ist doch erstaunlich, wenn es in der Bibel um die Selektion von Mitarbeiter geht, die Begabungen eher im Hintergrund stehen, wenn sie überhaupt erwähnt werden. Im Vordergrund steht die Lebensführung und der Charakter eines Menschen. Sie bilden die Vorraussetzung, damit die Gaben im richtigen Rahmen ihre Wirkung zeigen.

Das war bereits zur Zeit von Mose so. Jethro der Schwiegervater von Mose rät ihm, er soll Leute berufen, die ihn entlasten können. Und was soll diese Leute qualifizieren?

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„Sieh dich unter dem ganzen Volk um nach redlichen Leuten, die Gott fürchten, wahrhaftig sind und dem ungerechten Gewinn Feind.“ 2. Mose 18, 21

Auch im Neuen Testament steht die Lebensführung und der Charakter im Vordergrund. Paulus schreibt Titus:

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„Weil ein Gemeindeleiter ein von Gott eingesetzter Verwalter ist, muss er ein untadeliges Leben führen. Er darf nicht selbstherrlich sein, nicht jähzornig, nicht alkoholsüchtig, nicht gewalttätig und nicht darauf aus, sich zu bereichern.“ (Titus 1, 7)

„Vielmehr soll er gastfreundlich sein, das Gute lieben, sich verantwortungsbewusst und gerecht verhalten, sich in allem von der Ehrfurcht vor Gott leiten lassen und sich durch Selbstdisziplin auszeichnen.“ (Titus 1, 8)

Hier wird nicht einmal eine spezielle Gabe erwähnt, sondern es geht – wie gesagt - um die Lebensführung und die charakterlichen Eigenschaften.

Das wird auch der Grund sein, weshalb Paulus im Römerbrief, bevor er sich den Gaben, Diensten und Kräften zuwendet, vom wahren Gottesdienst eines Christen spricht.

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„Ich habe euch vor Augen geführt, Geschwister, wie gross Gottes Erbarmen ist. Die einzige angemessene Antwort darauf ist die, dass ihr euch mit eurem ganzen Leben Gott zur Verfügung stellt und euch ihm als ein lebendiges und heiliges Opfer darbringt, an dem er Freude hat. Das ist der wahre Gottesdienst, und dazu fordere ich euch auf.“ (Römer 12, 1)

Mein ganzes Leben soll auf Gott ausgerichtet sein. Mit allem, was ich habe und bin stelle ich mich ihm zur Verfügung. Ich soll mich nicht mehr darum kümmern, was in dieser Welt als wichtig angesehen wird. Paulus fährt fort:

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„Richtet euch nicht länger nach den Massstäben dieser Welt, sondern lernt, in einer neuen Weise zu denken, damit ihr verändert werdet und beurteilen könnt, ob etwas Gottes Wille ist – ob es gut ist, ob Gott Freude daran hat und ob es vollkommen ist.“ (Römer 12, 2)

Die Veränderung, die durch diese Lebensführung entsteht, befähigt uns gleichzeitig, zu erkennen, was Gottes Wille ist. Wir werden fähig zu beurteilen, über was sich Gott freut.

Ich bin überzeugt, dass auch aus dieser Lebensführung, die Entdeckung und Entwicklung unserer Gaben in ganz natürlicher und selberverständlicher Weise herauswächst.

So könnte man etwas zugespitzt sagen: Der Schlüssel oder die Vorraussetzung auf meiner Entdeckungsreise meine geistlichen Gaben zu finden, ist die Hingabe an Gott. Oder anders gesagt: Der wahre Gottesdienst führt mich automatisch zur Erkenntnis meiner Begabungen.

Jakobus hält auch deutlich fest, wie eng verbunden geistliche Gaben und Lebensführung sind.

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„Hält sich jemand unter euch für weise und verständig? Dann soll er zeigen, dass er das auch tatsächlich ist, indem er ein vorbildliches Leben führt und Dinge tut, die von Weisheit und Bescheidenheit zeugen.“ (Jakobus 3, 13)

Bibelstellen zum Nachschlagen: 2. Mose 18, 21-22; 4. Mose 11, 16-17; Matthäus 7, 20; Lukas 3, 8; Römer 12, 1-2; 1. Timotheus 3, 1-13; Titus 1, 7-8; Jakobus 3, 13

III.      

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Die Haltung bei der Entdeckungsreise

Nun – mit welcher Haltung sollte ich bei der Entdeckungsreise unterwegs sein? Es ist eine dienende Haltung.

Auf dieser Entdeckungsreise, die wir mit dem Beginn unseres Glaubens antreten, gibt es ein einfaches und schlichtes Prinzip, das uns auf der ganzen Reise begleiten muss: das Prinzip des Dienens.

Wir entdecken unsere geistlichen Gaben, wenn wir dazu bereit sind, Gott zu dienen. Dienen hat jedoch immer etwas mit Zeit, Kraft und Geld zu tun – mit anderen Worten: Dienen fordert von mir Opfer.

Deshalb muss ich mich zuerst einmal fragen, ob ich bereit bin für Gott ernsthafte Opfer zu bringen. Bin ich bereit auf Erholung, auf Bequemlichkeit usw. zu verzichten? Bin ich bereit, in einer gewissen Verbindlichkeit und Treue zu dienen?

Das ist heute gar nicht mehr selbstverständlich. Wir haben heute dermassen Angst, das Leben zu verpassen, dass wir uns gewohnt sind, keine Verbindlichenkeiten einzugehen. Wir sind bereit da und dort zu helfen, wenn es gerade in meine Planung passt.

Willst Du jedoch deine geistlichen Gaben entdecken, dann wird das von Dir Opfer fordern – natürlich – das ist meinen tiefe Überzeugung - Opfer, die sich lohnen werden. Paulus sagt etwas, das ausgezeichnet in unsere Zeit passt:

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„Geschwister, ihr seid zur Freiheit berufen! Doch gebraucht eure Freiheit nicht als Vorwand, um die Wünsche eurer selbstsüchtigen Natur zu befriedigen, sondern dient einander in Liebe.“ (Galater 5, 13)

Meine Gaben habe ich entdeckt, indem ich diente. Schon in jungen Jahren habe ich Sonntagsschule gegeben, etwas später eine Jugendgruppe geleitet und so ging es weiter. In diesem Dienen drin entdeckte ich meine Gaben. Dass ich heute Pfarrer bin, hat viel damit zu tun, dass mich Menschen bestärkten, indem sie deutlich machten, dass ihnen das, was ich von der Bibel erklärte hilfreich war. Sie ermutigten mich Pfarrer zu werden.

Heute weiss ich auch, dass einiges, was ich früher einmal gemacht habe, nicht so ganz meinen Gaben entspricht. Mir ist bewusst, dass andere es viel besser machen und ich bin froh, wenn es andere machen.

Doch weiss ich, wenn Not an Mann ist, dann würde ich auch dort zupacken, wo ich mich nicht begabt fühle. Ich würde dienen, solange es nötig ist und ich das kann und werde darauf hoffen, dass mich bald jemand ablöst.

Manchmal gibt es in einer Gemeinde Arbeiten, die einfach gemacht werden müssen, selbst wenn niemand dazu sonderlich begabt ist. Lasst mich das am Beispiel einer Familie aufzeigen, die ein Haus mit einer schönen Wiese hat. Diese Wiese muss regelmässig gemäht werden. Niemand in der Familie fühlt sich zu dieser Arbeit speziell begabt. Doch jemand muss es machen – Begabung hin oder her. Oder man muss jemanden dafür bezahlen – der vielleicht auch nicht begabt ist, aber damit seinen Lebensunterhalt bestreitet.

In unserer Gemeinde mache ich einiges, wozu ich mich nicht begabt fühle, aber jemand muss es machen. Ich habe festgestellt, dass ich dadurch kein Schaden nehme.

Es gibt natürlich auch vieles, was ich nicht machen würde, oder wirklich nur im äussersten Notfall, weil mir die Menschen leid tun, die mir dann ausgesetzt sein würden.

Wenn Du bereit bist, einfach zu dienen, dann wirst Du Deine speziellen Gaben auf ganz natürlichem Weg entdecken und entwickeln können.

Natürlich kann es auch hilfreich sein, wenn Du an einem Seminar teilnimmst, das Dich bei der Suche nach Deinen Gaben unterstützt. Im Januar werden wir ein solches Seminar anbieten. Dieses Seminar wird Dich aber vom Dienen nicht entbinden können.

Wenn Du Deine Gaben entdeckst, dann ist es nicht so, dass diese Gabe voll entwickelt ist und Du auf dem Höhepunkt stehst. Wie mit allem im Leben, werden sich mit dem Gebrauch und der Übung Deine Gaben entwickeln. Bei mir hiess das sogar, dass ich eine langjährige Ausbildung in angriff nahm.

Jedenfalls ist es Gottes Wunsch, dass wir die Gaben, die er uns geschenkt hat, auch füreinander verwenden. Deshalb schreibt Petrus:

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„Jeder soll den anderen mit der Gabe dienen, die er von Gott bekommen hat. Wenn ihr das tut, erweist ihr euch als gute Verwalter der Gnade, die Gott uns in so vielfältiger Weise schenkt.“ (1.Petrus 4, 10)

Bibelstellen zum Nachschlagen: Lukas 22, 26; Römer 12, 6-8; Galater 5, 13;  1. Timotheus 4, 14; 2. Timotheus 1, 6-7; 1. Petrus 4, 9-10

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Schlussgedanke

Unsere Gaben entdecken wir nicht durch Bücher lesen, die sich mit diesem Thema beschäftigen, das kann hilfreich sein – aber früher oder später muss ich praktisch werden.

Niemand lernt beim Zusehen autofahren. Vielleicht kann er einiges schneller begreifen, wenn er genug lang und aufmerksam zugeschaut hat, aber dann muss er selber hinters Steuer sitzen und vieles muss so gelernt werden.

Die wichtigste Voraussetzung, um die geistlichen Gaben zu entdecken, ist die Wiedergeburt, dass der Heilige Geist in mir wohnt. Der Schlüssel, der mir den Weg zur Entdeckung ebnet ist die Hingabe, wie Paulus sagt, der wahre Gottesdienst. Im Vordergrund steht meine Lebensführung und mein Charakter.

Hand in Hand damit geht die Bereitschaft zum Dienen, was zwangsläufig Opfer mit sich bringen. Opfer – die sich aber lohnen! Paulus sagte es so:

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„Worin auch immer eure Arbeit besteht – tut sie mit ganzer Hingabe, denn letztlich dient ihr nicht Menschen, sondern dem Herrn.“ (Kolosser 3, 23)

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„Ihr könnt sicher sein, dass ihr von ihm einen Lohn bekommt – das Erbe, das er im Himmel für euch bereithält. Darum dient ihm, Christus, dem Herrn!“ (Kolosser 3, 24)

Es lohnt sich! Geh auf Entdeckungsreise und lass dich von Gottes Führungen überraschen. Paulus spornt dich an, wenn er sagt:

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„Lasst in eurem Eifer nicht nach, sondern lasst das Feuer des Heiligen Geistes in euch immer stärker werden. Dient dem Herrn.“ (Römer 12, 11)

Bibelstellen zum Nachschlagen: Römer 12, 11; 1. Korinther 15, 58; Kolosser 3, 23-24, 1. Petrus 4, 11

Amen