Psalm 62, 2

Das Buch der Psalmen

Kapitel: 62, Vers: 2

Psalm 62, 1
Psalm 62, 3

Luther 1984:Meine Seele ist -a-stille / zu Gott, der mir hilft. / -a) Jesaja 30, 15.
Menge 1926/1949 (Hexapla 1989):Nur (im Aufblick) zu Gott ist meine Seele still: / von ihm kommt meine Hilfe-1-; / -1) o: Rettung.
Revidierte Elberfelder 1985/1986:Nur auf Gott vertraut still meine Seele-a-, / von ihm kommt meine Hilfe-b-. / -a) Psalm 55, 24; Klagelieder 3, 26. b) Psalm 37, 39.
Schlachter 1952:Nur auf Gott wartet still meine Seele, / von ihm kommt mein Heil /
Zürcher 1931:Zu Gott allein ist stille meine Seele; / von ihm kommt mir Hilfe. / -Psalm 37, 7.
Luther 1912:Meine Seele ist stille zu Gott, der mir hilft. - Jesaja 30, 15.
Buber-Rosenzweig 1929:Nur auf Gott zu ist Stille meine Seele, von ihm her ist meine Befreiung.
Tur-Sinai 1954:«Nur Gottes harrt in Stille meine Seele / von ihm kommt meine Hilfe. /
Luther 1545 (Original):Meine Seele ist stille zu Gott, Der mir hilfft. -[Stille] Ist zu frieden, lesst Gott walten, murret, tobet nicht, leidet sich vnd harret.
Luther 1545 (hochdeutsch):Meine Seele ist stille zu Gott, der mir hilft.
NeÜ 2016:Nur bei Gott wird meine Seele still, / von ihm kommt meine Hilfe.
Jantzen/Jettel 2016:Wahrlich, zu Gott ist still 1) meine Seele. 2) Von IHM her ist mein Heil. a)
1) o.: eigtl.: in Stille; auch: in stiller, wartender Ergebung
2) Der Satz besteht aus vier Elementen: „wahrlich“ (o.: „nur“; hebr.: ACH); „zu Gott“ (EL ELOHIM); „Stille“ (DUMIJJAH); „meine Seele“ (NAPHSCHI). Als Verb muss eine Form von „sein“ ergänzt werden. Es ergeben sich mehrere Übersetzungsmöglichkeiten. Eine naheliegende Lösung zur Übersetzung der knapp gehaltenen Sätze liegt darin, das Nomen DUMIJJAH als ACCUSATIVUS ABSOLUTUS aufzufassen („in Stille“) und mit „zu Gott“ zu verbinden. Das hebr. ACH übersetzt man hier besser mit „wahrlich“, nicht mit„nur“: „Wahrlich, meine Seele ist stille [eigtl.: in Stille] zu Gott.“ Das Wort für „Stille“ kann auch „stille, wartende Ergebung“ bzw. „stilles, ergebendes Warten“ bedeuten. Der Dichter drückt aus, dass seine Seele in stiller, wartender Ergebung auf Gott hin ‹ausgerichtet› ist, kurz: „stille zu Gott“. Die Version der frühen deutschen Übersetzungen war also treffend. Vgl. Schmoller: „Nur zu Gott ist still meine Seele“; Luther: „Meine Seele ist stille zu Gott“ (Hier fehlt allerdings die Üsg. von ACH, wahrlich bzw. nur.); Zürcher: „Zu Gott allein ist meine Seele still“; Textbibel: „Ja, zu Gott ist meine Seele still“; Konkordante Üsg.: „Ja, zu Elohim ist meine Seele stille“; Menge: „Nur [im Aufblick] zu Gott ist meine Seele still”. Viele deutsche Übersetzungen geben den Text etwas freier wieder, indem sie „in Stille sein“ mit Verben wie „stille halten“, „still warten“, „harren“, „vertrauen“ wiedergeben: Schlachter: „Nur auf Gott wartet still meine Seele“; Elberfelder Üsg.: „Nur auf Gott [vertraut] still meine Seele”; Patloch: „Auf Gott allein harrt still meine Seele”; Henne-Rösch: „Nur in Gott ruht still meine Seele”; Tur-Sinai: „Nur Gottes harrt in Stille meine Seele“; Neue-Welt-Üsg.: „Ja, auf Gott [wartet in] Schweigen meine Seele.”; Interlinear-Üsg.: „Nur zu Gott ruht in Schweigen meine Seele“; Albrecht: „Ja, Elohims harrt still meine Seele“; Peters: „Nur zu Gott hält still meine Seele“. Delitzsch meint, DUMIJJAH als ACCUSATIVUS ABSOLUTUS aufzufassen, sei nicht nötig, und kommt zu der eigenartigen, unklaren Übersetzung: Nur Hingabe an Gott ist meine Seele“. Grünewald fasst – analog zu V. 6 – NAPHSCHI (meine Seele) als Vokativ und den Satz als Anrede an die eigene Seele auf: „In Gott allein ist Stille, meine Seele”; diese Deutung ist wohl unwahrscheinlich. Moll (bei Lange) ergänzt das Wort „hat“: „Nur auf Gott ‹gerichtet› [hat] Stille meine Seele.“ Stillesein, Warten heißt Verzicht auf Selbsthilfe, was durch Vertrauen und Ergebung geschehen kann. Der Psalmist betont das Stillesein zu Gott. Barnes: „Das ist das Gefühl, das wir haben, wenn wir alles Gott anvertraut haben; wenn wir auf seine Macht, Güte, Weisheit, Barmherzigkeit vertrauen, übergeben wir die ganze Angelegenheit ihm, als ob sie nicht mehr die unsere wäre. Dergestalt ist die Ruhe – der Friede, die Stille der Seele –, wenn man alles Gott überlässt.“ Am besten treffen wohl die älteren Übersetzungen (Schmoller, Zürcher, Luther; ähnlich auch Calvin) den Sinn.
a) Psalm 62, 6; 33, 20; 132, 2; Jesaja 30, 15; Klagelieder 3, 26; Psalm 37, 39; Jesaja 12, 2; Micha 7, 7
English Standard Version 2001:For God alone my soul waits in silence; from him comes my salvation.
King James Version 1611:Truly my soul waiteth upon God: from him [cometh] my salvation.