Jakobus 4, 5

Der Brief des Jakobus (Jakobusbrief)

Kapitel: 4, Vers: 5

Jakobus 4, 4
Jakobus 4, 6

Luther 1984:Oder meint ihr, die Schrift sage umsonst: Mit Eifer wacht Gott über den Geist, den er in uns hat wohnen lassen,
Menge 1926/1949 (Hexapla 1989):Oder meint ihr, die Schrift mache leere Worte, wenn sie sagt: «Eifersüchtiges Verlangen hegt der Geist, den er-1- Wohnung in uns hat nehmen lassen-2-»? -1) d.h. Gott. 2) aÜs: oder meint ihr, die Schrift sage ohne Grund: «Gegen den Neid richtet sein Begehren der Geist, der in uns Wohnung genommen hat; um so größer ist aber auch die Gnade, die er schenkt.» - Die hier angeführten W. finden sich nicht im AT. Doch ist Gott 2. Mose 20, 5 ein «eifersüchtiger» Gott genannt, der keine and. Götter neben sich duldet.
Revidierte Elberfelder 1985/1986:Oder meint ihr, daß die Schrift vergeblich rede-a-: «Eifersüchtig sehnt er sich nach dem Geist, den er in uns wohnen ließ-1-»?-2- -1) ein eifersüchtiges Verlangen hat der Geist, der in uns Wohnung gemacht hat; o: gegen den Neid begehrt der Geist, der in uns Wohnung gemacht hat. 2) vermutlich ein Zitat aus einer uns unbekannten Schrift. a) Jesaja 55, 11.
Schlachter 1952:Oder meinet ihr, die Schrift sage umsonst: Ein eifersüchtiges Verlangen hat der Geist, der in uns wohnt?
Zürcher 1931:Oder meint ihr, die Schrift sage umsonst: «Wider den Neid richtet sein Begehren der Geist, der in uns Wohnung gemacht hat; -Galater 5, 17.
Luther 1912:Oder lasset ihr euch dünken, die Schrift sage umsonst: Der Geist, der in euch wohnt, begehrt und eifert? - 2. Mose 20, 3.5; Matthäus 6, 24.
Luther 1545 (Original):Oder lasset jr euch düncken, die Schrifft sage vmb sonst, Den Geist, der in euch wonet, gelüstet wider den Hass,
Luther 1545 (hochdeutsch):Oder lasset ihr euch dünken, die Schrift sage umsonst: Den Geist, der in euch wohnet, gelüstet wider den Haß?
Neue Genfer Übersetzung 2011:Oder meint ihr, die Schrift sagt ohne Grund: »Mit leidenschaftlichem Eifer sehnt sich Gott danach, dass der Geist, den er uns Menschen eingepflanzt hat, ihm allein ergeben ist.« [Kommentar: Vielleicht ist an Stellen wie 2.Mose 20, 5.6; 34, 14; Hiob 14, 15 zu denken, deren Sinn hier zusammenfassend wiedergegeben ist.] ?
Albrecht 1912/1988:Oder meint ihr, die Worte der Schrift-1- hätten nichts zu bedeuten? Der Geist, den er-2- in uns hat Wohnung nehmen lassen, begehrt eifersüchtig (unser ganzes Herz). -1) hier denkt Jakobus (im Blick auf V. 4) ws. an solche alttestamentliche Stellen, die von dem geistlichen Ehebruche o. der Untreue gegen Gott handeln, z.B. Hosea 2; Hesekiel 16 und 23. 2) Gott. - Die zweite Hälfte von V. 5 fasse ich nicht als ein Schriftwort (was es ja auch tatsächlich nicht ist), sondern als ein Wort des Jakobus.
Luther 1912 (Hexapla 1989):Oder lasset ihr euch dünken, die Schrift sage umsonst: Der Geist, der in euch wohnt, begehrt und eifert? -2. Mose 20, 3.5; Matthäus 6, 24.
Meister:Oder meint ihr, daß die Schrift vergeblich sagt: «Auf neidische Weise verlangt der Geist-a-, der Wohnung in uns gemacht hat»? -a) 1. Mose 6, 5; 8, 21; Sprüche 21, 10.
Menge 1949 (Hexapla 1997):Oder meint ihr, die Schrift mache leere Worte, wenn sie sagt: «Eifersüchtiges Verlangen hegt der Geist, den er-1- Wohnung in uns hat nehmen lassen-2-»? -1) d.h. Gott. 2) aÜs: oder meint ihr, die Schrift sage ohne Grund: «Gegen den Neid richtet sein Begehren der Geist, der in uns Wohnung genommen hat; um so größer ist aber auch die Gnade, die er schenkt.» - Die hier angeführten Worte finden sich nicht im AT. Doch ist Gott 2. Mose 20, 5 ein «eifersüchtiger» Gott genannt, der keine and. Götter neben sich duldet.
Nicht revidierte Elberfelder 1905:Oder meinet ihr, daß die Schrift vergeblich rede? Begehrt der Geist, der in uns wohnt-1-, mit Neid? -1) o: Wohnung gemacht hat. - mehrere lesen: Geist, den er in uns wohnen ließ.++
Revidierte Elberfelder 1985-1991:Oder meint ihr, daß die Schrift vergeblich rede-a-: «Eifersüchtig sehnt er sich nach dem Geist, den er in uns wohnen ließ-1-»?-2- -1) ein eifersüchtiges Verlangen hat der Geist, der in uns Wohnung gemacht hat; o: gegen den Neid begehrt der Geist, der in uns Wohnung gemacht hat. 2) vermutlich ein Zitat aus einer uns unbekannten Schrift. a) Jesaja 55, 11.
Schlachter 1998:Oder meint ihr, die Schrift sagt umsonst: Ein eifersüchtiges Verlangen hat der Geist, der in uns wohnt?
Interlinear 1979:Oder glaubt ihr, daß leer die Schrift sagt: Gemäß Neid sehnt er sich nach dem Geist, den er hat Wohnung nehmen lassen in uns,
NeÜ 2016:Meint ihr denn, die Schrift redet umsonst? Gott wacht eifersüchtig über den Geist, den er in uns wohnen ließ.
Jantzen/Jettel 2016:Oder meint ihr, die Schrift mache leere a)Worte 1)? Mit b)Eifersucht verlangt ihn nach dem c)Geist, der Wohnung in uns aufnahm.
a) Jesaja 55, 11
b) 2. Mose 20, 5; 34, 14
c) 1. Mose 2, 7
1) eigtl.: die Schrift rede leer [d. h.: umsonst] Der griech. Vers wirft mehrere Fragen auf: 1. Wie ist KENOOS HEE GRAPHEE LEGEI [w.: die Schrift rede leer/umsonst] aufzufassen? Liegt ein Zitat vor? Wenn ja, worauf bezieht sich Jakobus? 2. Was bedeutet das Gefüge PROS PHTHONON? – „Mit Eifer“, „mit Eifersucht“, „gegen Eifersucht“? 3. Ist PHTHONOS (Neid, Missgunst, Eifersucht), ähnlich wie DSEELOS (Eifer, Eifersucht), sowohl positiv als auch negativ gebraucht oder nur im negativen Sinn zu verstehen? 4. Ist PROS PHTHONON mit EPIPOTHEI zu verbinden oder mit LEGEI (V. 5A: „Oder meint ihr, dass die Schrift umsonst gegen Neid rede?“)? 5. Bed. das Verb EPIPOTHEIN „ein starkes Verlangen haben; sich nach etw. sehnen; begierig sein; begehren“ oder „tendieren zu etw.“? 6. Wer ist Subjekt des Satzes, Gott oder der Geist? 7. Ist mit PNEUMA der menschliche Geist oder der Geist Gottes gemeint? 8. Schlussendlich gibt es noch vom T. R. abweichende Lesarten. Deutsche Übersetzungen: Der Vers wird unterschiedlich übersetzt. Man kann sie in hauptsächlich drei Gruppen gliedern, je nachdem wie PROS PHTHONON, PNEUMA und EPIPOTHEIN aufgefasst werden und was Subjekt ist, Gott oder der Geist. a: Gottes eifersüchtiges Verlangen nach dem [menschlichen] Geist, Gott als Subjekt a1: „Eifersüchtig [o.: Mit Eifersucht] verlangt er / sehnt er sich nach dem Geist“ (Münchner NT; Rev. Elberfelder; Einheitsübersetzung; W. Bauer, Wörterbuch zum NT) a2: „Voll Eifersucht verlangt er nach dem Geist“ (Herder) a3: „Bis zum Neidischsein begehrt er den Geist“ (Schlatter) a4: „In Eifersucht verlangt es ihn nach dem Geiste“ (Grünewald) a5: „Voll Eifersucht verlangt es ihn nach dem Geist“ (Henne-Rösch.) a6: „Gemäß Neid sehnt er sich nach dem Geist“ (Interlineare Üsg.) b: Der Heilige Geist ist Subjekt; sein Verlangen wird positiv oder negativ aufgefasst. b1: „Begehrt der Geist, …, mit Neid?“ (Elberfelder 1871, 1905, 2003) b2: „Sehnt sich der Geist,…, nach Neid?“ (Konkordante Üsg.) b3: „Wider den Neid gelüstet es den Geist“ (Bengel) b4: „Gegen den Neid richtet sein Begehren der Geist“ (Menge, Anm.) b5: „Gegen den Neid begehrt der Geist“ (Rev. Elberfelder, Anm.) b6: „Den Geist, …, gelüstet wider den Haß“ (Luther 1545) c: Bei manchen Übersetzungen bleibt offen, welcher Geist gemeint ist und ob das Verlangen positiv oder negativ ist. c1: „Ein eifersüchtiges Verlangen hat der Geist“ (Rev. Schlachter; Zürcher 1860; Rev. Elberfelder, Anm.; Lenski) c2: „Eifersüchtiges Verlangen hegt der Geist“ (Menge) c3: „Der Geist, …, begehrt eifersüchtig“ (Albrecht) c4: „Der Geist, …, begehrt und eifert“ (Luther 1912) c5: „Zum Neid hin ersehnt der Geist“ (Baader) c6: „Auf neidische Weise verlangt der Geist“ (A. Meister) c7: „Neidisch begehrt der Geist“ (Schmoller) c8: „Auf Neid ist das Streben des Geistes gerichtet“ (Patloch) c9: „Den Geist zieht es zum Neid.“ (Zürcher 2007, Anm.) c10: „Mit einem Hang zum Neid sehnt sich fortwährend der Geist“ (Neue Welt Üsg.)d. Übersetzungen, die von diesen drei Gruppen abweichen d1: Die Schrift ist Subjekt: „Eifernd begehrt sie des Geistes“ (Tafel) d2: Passiv: „Beneidet werden will der Geist“ (Zürcher 2007) d3: Eine ungewöhnliche Deutung / Üsg. von EPIPOTHEIN: „Mit Eifer wacht Gott über den Geist“ (Luther 1984; Vanheiden) Im Folgenden sei auf die einzelnen Punkte näher eingegangen: 1. Wie ist KENOOS HEE GRAPHEE LEGEI [w.: „die Schrift sage umsonst / rede leer“] aufzufassen? Wäre zu übersetzen: „Oder meint ihr, dass die Schrift vergebens sage“, würde man unmittelbar im Anschluss ein Zitat aus der Heiligen Schrift erwarten. Die Schwierigkeit besteht darin, dass Vers 5. Mose weder ein Zitat aus dem AT noch aus dem NT noch aus irgendwelchen außerkanonischen jüd. Schriften ist. Vers 6 ist zu weit entfernt und wird eigens eingeleitet mit DIO LEGEI [„weswegen er sagt“]. Wahrscheinlich ist es so, dass Jakobus nicht direkt zitiert, sondern sich auf verschiedene Aussagen der Schrift bezieht i. S. v. „Oder meint ihr, die Schrift mache leere Worte, wenn sie über diese Dinge spricht?“ Die erwartete Antwort ist „Nein.“ 2. Was bedeutet das Gefüge „PROS PHTHONON“? PROS PHTHONON kann zwar wörtlich „zum Neid“ bedeuten, aber nicht nur. Bauer-Danker-Arndt-Gingrich (bei EPIPOTHEOO) führt an, dass PROS PHTHONON ein griech. Idiom ist, und übersetzt „eifersüchtig“; ähnlich Friberg: „in a positive sense of God’s protective jealousy (PROS PHTHONON perhaps: to the point of envy, even with envy)“; A. T. Robertson: PROS PHTHONON kann adverbial als „eifersüchtig; in eifersüchtiger Weise“ aufgefasst werden; ebenso Haubeck / von Siebenthal: „PROS PHTHONON = wohl PHTHONREOOS eifersüchtig“. PROS (mit griech. Wenfall) bed. im räumlichen Sinne „auf .. zu; nach … hin; gegen“, im übertragenen Sinne „gegen; gegenüber; gemäß; im Verhältnis zu; in Betreff; zum Zweck“ usf. Wird PROS im adverbialen Sinne gebraucht, so oft idiomatisch: PROS ORGEEN: im Zorn; PROS BIAN: mit Gewalt; PROS HEEDONEEN: nach Gefallen, gern; PROS PHILIAN: in Freundschaft (so Menge-Güthling); PROS HÜBRON: auf beschimpfende Weise (Gemoll); PROS PHTHONON: eifersüchtig (Gemoll). Vgl. auch Reicke (in Kittel: THEOLOGICAL DICTIONARY OF THE NEW TESTAMENT, Bd. VI, S 725): „To the point of envy“, „even with envy“. PROS in einem oppositionellen Sinne „gegen Neid“ scheint von der idiomatischen Bed. und vom Zusammenhang her ausgeschlossen. Burdick weist auf den Zusammenhang hin: „Vers 4, der mit V. 5 durch die Konjunktion ODER eng verknüpft ist, zeigt an, dass der Gläubige, der ein Freund der Welt ist, geistlichen Ehebruchs schuldig ist. Obgleich seine Liebe und Ergebenheit dem Herrn gehören, hat er sich in die Welt verliebt. Es ist daher natürlich zu erwarten, dass V. 5 von Gottes eifersüchtigem Verlangen nach der Liebe seines Volkes spricht und nicht von dessen neidischem Geist. Auch sprechen atl. Stellen davon, dass Gott sich eifersüchtig nach der Hingabe seines Volkes sehnt.“ Burdick führt 2. Mose 20, 5 und 34, 14 an. Vgl. auch Sacharja 8, 2. R. Martin (WORD BIBLICAL COMMENTARY) bezieht sich ebenfalls auf den Zusammenhang: Wegen V. 4 sei ein Rückbeziehen des Verses 5 auf die Verse 1-3 unwahrscheinlich. Viel wahrscheinlicher sei, dass der V. 5 das göttliche Missfallen an dem in V. 1-4 aufgezeigten Verhalten unterstreicht. Haubeck u. von Siebenthal schlagen vor: „eifersüchtig verlangt er (Gott) nach dem Geist“. Zerwick kommentiert: „Gott als Subjekt aufzufassen und TO PNEUMA als Objekt scheint dem Zusammenhang am besten zu entsprechen“; auch er fasst PROS PHTHONON im adverbialen Sinne (PHTHONREOOS) auf: „mit Neid / Eifersucht, eifersüchtig“ und übersetzt: „Out of jealousy he longs for the spirit“ („Aus Eifersucht sehnt er sich nach dem Geist“). 3. Ist PHTHONOS positiv oder eher negativ verstehen? Nach 1Macc 8, 16; Testament Simeons 4, 5; Testament Gads 7, 2 können PHTHONOS und DSEELOS auswechselnd gebraucht werden. Trench sagt zwar: „PHTHONOS, incabable of good, is used always and only in an evil signification“ (PHTHONOS, unfähig zum Guten, wird immer und nur im bösen Sinne gebraucht; S. 87). Und Zerwick räumt ein, dass die häufigen Bezüge auf die eifersüchtige Liebe Gottes in der griech. Üsg. des AT durch DSEELOS (und seine Derivate) ausgedrückt werden, nicht durch PHTHONOS. (Vgl. auch 2Kr 11, 2.) Aber auch Eifersucht und Neid können positive Notionen haben: Der Ehemann tut nicht moralisch Böses, wenn er eifersüchtig ist auf seinen Nebenbuhler, der ihm seine Frau wegnimmt. In diesem Sinne kann auch Gott eifersüchtig sein. DSEELOS und PHTHONOS stehen häufig nebeneinander, können in manchen Zusammenhängen synonym gebraucht werden. PHTHONOS in Jk 4, 5 muss nicht moralisch negativ aufzufassen sein. „So ernsthaft begehrt Gott nach dem Geist des Menschen, dass er es nicht duldet, dass der Mensch seinem Verlangen widerstrebe und sich nicht ihm ergebe. Tut er es, so hat er Gott gegen sich. Dann wird aus dem göttlichen Verlangen Neid und Eifersucht.“ (Schlatter, Der Brief des Jakobus, S. 250) Schlatter verweist auf V. 4, wo von Ehebruch die Rede war: „Mit MOICHALIDES war die Treue, die Israel Gott schuldet, mit derjenigen verglichen, die die Ehe unverletzt bewahrt. Der Mann begehrt aber die Frau ganz für sich und lässt es keinem anderen zu, dass er nach ihr verlange. Von der Freundschaft war gesprochen, die Gott Israel gönnte. Untreue des Freundes erweckt die Eifersucht. Die, die sich mit der Welt verbinden und es wagen, Gottes Feinde zu sein, bedenken nicht, wie ernsthaft Gott es will, dass der Geist, den er dem Menschen gab, sein eigen sei, wie unheilvoll es also ist, wenn der Mensch seinen Geist Gott versagt, indem er die Liebe der Welt statt der Gottes erwählt. Nicht KENOOS [leer; vergeblich; umsonst], nicht leichthin ohne Wahrheit und Ernst, redet der Spruch vom göttlichen Neid. Auch KENOOS zeigt an, dass der Satz einen auffallenden, paradoxen Gedanken gibt, von dem man leicht urteilen könnte, er sei eine Übertreibung und nicht ernst gemeint. Es hat aber realen Grund, wenn die Schrift sagt, Gott lasse nicht zu, dass die größte seiner Gaben, der [menschliche] Geist, vom eigensüchtigen Willen des Menschen geknechtet und dem, dem er gehört, weil er ihn gab, entfremdet werde.“ (Schlatter, 250) 4. Ist PROS PHTHONON mit LEGEI zu verbinden? V. 5A würde dann lauten: „Oder meint ihr, dass die Schrift umsonst gegen [eigtl.: in Richtung] Neid / Eifersucht rede?“, und dem Rest des Verses würde eine nähere Bestimmung zu dem Begehren Gottes (bzw. des Geistes) fehlen. 5. Was bedeutet EPIPOTHEIN? Burdick bemerkt, dass EPIPOTHEIN nicht „tendieren“ bedeutet, sondern „ein Verlangen, eine Sehnsucht nach jemandem / etwas haben“. Vgl. auch die griech. Übersetzung von Psalm 42, 2; 84, 3; 118, 20; 119, 131.174 sowie Rm 1, 11; 2Kr 5, 2; 9, 14; Php 1, 8; 2, 26; 1. Thessalonicher 3, 6; 2. Timotheus 1, 4; 1. Petrus 2, 2. Bauer gibt an: „Sehnsucht haben, verlangen“; Menge-Güthling: „herbeiwünschen; sich wonach sehnen od. verlangen; vermissen“; Haubeck u. von Siebenthal: EPIPOTHEOO m. Akk bed.: „nach etw. / jem. Sehnsucht haben; nach etw. / jem. verlangen“. Adams’ Vorschlag, es als „tendieren“ aufzufassen, scheint unpassend. 6. Wer ist Subjekt des Satzes, Gott oder der Geist? Schlatter (251-252): „An sich könnte wohl vom Geist gesagt werden, dass er sich, nachdem er in den Menschen eingegangen sei, sehne, und PROS wäre geeignet, das Ersehnte anzugeben. Aber PROS PHTHONON gibt nicht an, wonach der Geist sich sehne, sondern muss auch in dieser Fassung die Stärke des Verlangens beschreiben. Wir erfahren also nicht, was den Geist zu einem neidischen Verlangen bewege. … Die Deutung des Spruchs, die ihn sagen lässt, dass Gott nach dem Geiste des Menschen verlange, wird dadurch gestärkt, dass der nächste Satz [V. 6] deutlich eine Aussage über das gibt, was Gott tut. Der Gnade Gebende ist Gott, nicht der in uns wohnende Geist. Gott ist nicht nur der Gebietende, nicht nur der Fordernde. Aus seiner Gabe entsteht freilich der Anspruch, der uns für ihn leben heißt, und die den Schöpfer offenbarende Größe seiner Gabe gibt diesem Anspruch die Unbedingtheit und Vollständigkeit. Wenn aber der Mensch ihm gehorcht, erfährt er aufs Neue Gott als den Gebenden, und was er erfährt, ist MEIDSOON CHARIS [größere Gnade], eine noch größere Gütigkeit, eine noch reichere Bereitwilligkeit, den Menschen zu begaben.“ (Ergänzungen in Eckklammern v. Verf.) Der Agens (handelndes Subjekt) scheint also Gott zu sein, von dem V. 4 handelt und der in V. 6A impliziertes Subjekt ist. 7. Ist PNEUMA der göttliche Geist oder der menschliche? Um diese Frage zu entscheiden, muss geklärt werden, um welche Eifersucht bzw. wessen Neid es geht. Moo kommt zu dem Schluss, die Grammatik des Satzes begünstige die Auffassung „göttliche Eifersucht“ [d. h., Subjekt ist Gott: „Eifersüchtig begehrt er nach dem Geist“]; die Grundbedeutung des Wortes PHTHONOS begünstige zwar die Auffassung „menschlicher Neid“ [i. S. v.: „Richtung Neid tendiert / begehrt der Geist“], es sei aber nicht unmöglich, PHTHONOS auf Gott zu beziehen. Er weist darauf hin, dass PHTHONOS von griech. Schriftstellern gelegentlich verwendet wurde, wenn sie von der Eifersucht / Neiderei der olympischen Götter schrieben. Wenngleich etwas ungewöhnlich, so ist Jakobus’ Gebrauch von PHTHONOS in Bezug auf das göttliche Verlangen nach seinem Volk nicht unmöglich. Da die grammatikalische und lexikalische Analyse nicht ausreichendes Material für die Übersetzung liefern, muss der Zusammenhang entscheiden. Einerseits passt die Auffassung „menschlicher Neid“ gut in den größeren Zusammenhang. Jakobus warnte in seinem Brief bereits mehrmals vor der Sünde der Eifersucht; vgl. 3, 14 [DSEELOS].16 [DSEELOS]; 4, 2 [DSEELOUTE, ihr eifert]); auch steht Neid/Eifersucht im Gegensatz zur „größeren Gnade“ von V. 6. Andererseits aber spricht der unmittelbare Zusammenhang sehr stark für die Auffassung „göttliche Eifersucht“. Vers 4 ist vom geistlichen Ehebruch der Leser des Briefes die Rede. Sie schlossen Freundschaft mit der Welt, anstatt dem Herrn, ihrem „Bräutigam“, zu folgen. V. 5 scheint tatsächlich sehr passend zu sein, wenn man ihn als Hinweis auf Gottes Eifersucht auf den buhlenden Geist der Leser versteht. (Vgl. Moo.) Schweizer bemerkt: „Im Jakobusbrief ist neben dem rein anthropologischen Gebrauch (2, 26) nur 4, 5 von PNEUMA die Rede, und zwar vermutlich von dem von Gott in den Menschen gelegten und von ihm wieder rein zurückgeforderten Geist.“ (in Kittel: THEOLOGICAL DICTIONARY OF THE NEW TESTAMENT, Bd. VI, S. 446.447) (Dt. Ausgabe: S. 445). Anm. in der Fußnote ebd.: „…; PROS PHTHONON mit LEGEI verbunden gibt keinen Sinn. Da V. 6a Gott Subjekt ist, muß man PNEUMA als Acc [Akkusativ] ansehen; PROS PHTHONON ist dann adverbial zu verstehen: „Eifersüchtig begehrt Gott den Geist, den er in uns wohnen ließ“; d. h., „eifersüchtig wacht Gott darüber, das PNEUMA unversehrt zurückzuerhalten“. (Ergänzungen in Eckklammern v. Verf.) 8. Unterschiede in der TextüberlieferungEinige frühe Hss (Papyrus 74, Sinaiticus, Vaticanus, Psi, 049, 1424) bezeugen KATOOKISEN (er ließ wohnen). Der T. R. bezeugt KATOOKEESEN (er nahm Wohnung auf; er wohnte), gestützt von der Mehrheit der griech. Hss. (neun davon vor dem 9./10. Jh.), den lateinischen Vulgata-Hss und dem Großteil der syrischen.
English Standard Version 2001:Or do you suppose it is to no purpose that the Scripture says, He yearns jealously over the spirit that he has made to dwell in us?
King James Version 1611:Do ye think that the scripture saith in vain, The spirit that dwelleth in us lusteth to envy?



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